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Karin Breitenfeldt

Reaktion auf Knapp-Kolumne im Ostseeanzeiger

„Muss man alt werden, um so viel Ungereimtes in einem einzigen Artikel unterzubringen? Herr Dr. Knapp bedient die Klischees, dass die Schwarte knackt, fühlt Unbehagen und setzt doch auf die alten Irrweg-Lösungen, als hätte er selbst bis zum heutigen Tage nichts dazu gelernt, als hätte er nicht gehörig beigetragen zum Zustand der Welt. Und der ist schlecht, wovon wir allerdings in Deutschland im Schnitt noch wenig spüren.

Ein schlechtes Gewissen müssen wir Alten und Älteren allerdings gehörig haben bezüglich unserer Welt, wie wir sie unseren Kindern und Enkeln übergeben! Von wegen ihnen stünden alle Möglichkeiten offen! Man kann nur hoffen, die nachfolgenden Generationen wagen Fünf vor Zwölf den radikalen Neuanfang, um die sozialen Katastrophen, den Klimawandel, Kriege und Konflikte einzudämmen, umzukehren...

Was ist geblieben vom Aufleuchten der Völker nach dem zweiten Weltkrieg, der Gründung der UNO, der Allgemeinen Deklaration der Menschenrechte? Die Geringschätzung des vermeintlich Selbstverständlichen und das aktuelle Aushöhlen von Institutionen und Strukturen an Stelle ihrer Modernisierung sind nicht nur Leichtsinn und bedenklich, sondern ein Riesenfehler. Aber Schuld daran tragen nicht die Jungen und schon gar nicht die „DDR-Nachkommen aus dem Osten“. Ursache ist die Anbetung des anonymen Marktes, das Preisen einer vorgeblich alles richtenden Marktwirtschaft und ihrer Eliten, die sich anmaßen über das Schicksal von Völkern entscheiden zu können. Kurz: die Abkehr vom Gedanken der Gleichheit aller Menschen.

Die jungen Menschen sind durch unsere Schulen gegangen, gehen täglich in Bildungsfabriken, die überwiegend von Mangel irgendeiner Art geprägt sind und in erster Linie Wissen für den Markt, aber nicht unbedingt für das Leben im Sinne eines freien, selbst bestimmten Lebens vermitteln sollen. Und trotzdem gibt es sie, wird es sie immer geben, die jungen Menschen, die ihr Herz und ihre Kraft für eine bessere Welt einsetzen. Wir werden sie wieder sehen beim Protest gegen den G20-Gipfel in wenigen Wochen in Hamburg als Gegenpol zu den Merkels, Trumps und Macrons dieser Welt, wie auch sie es waren, die zu großen Teilen den Widerstand gegen TTIP und CETA trugen und den Geflüchteten zur Seite stehen.

Überhaupt ist es schon sehr bezeichnend, dass Herr Dr. Knapp trotz Bundestagswahlkampf mit keinem einzigen Wort den neuen Heilsbringer der SPD, seinen Genossen Martin Schulz erwähnt, sondern gleich und ganz auf Angela Merkel setzt. Da wird getan, als sei Deutschland mit seinem gewaltigen Niedriglohnsektor und damit einhergehenden schwächelnder Binnennachfrage, mit einem erdrückenden Exportüberschuss, mangelnden Zukunftsinvestitionen im öffentlichen Bereich nicht etwa Teil des Problems der EU, sondern der potentielle Retter. Und jetzt eine EU nach deutschem Muster mit noch mehr Markt und Diktat?

Herr Dr. Knapp, mir graust bei dem Gedanken! Das „Wir Deutschen“ aus der Kolumne suggeriert, wir säßen alle in einem Boot. Saßen wir auch, als die Bankenrettung vom Staat, also vom Steuerzahler finanziert wurde. Inzwischen rudert die übergroße Mehrheit fleißig weiter und Banken und Konzerne ihrerseits machen Kasse. Übrigens, ganz maßgeblich beim Ausverkauf Griechenlands. Ich schäme mich für einen Finanzminister Wolfgang Schäuble. Und man darf sich sicher sein, dass an Griechenland ein Exempel statuiert wird und weitere Länder bzw. Völker folgen werden. Können wir dies wirklich wollen?

Die EU wird nur eine Chance haben, wenn sie eine EU der Völker ist und dazu gehört der soziale Ausgleich.

Ja, die Parteien und die Demokratien sind nicht in bester Verfassung. Aber das ist kein Grund, Menschen wie Macron in Frankreich anzuhimmeln, die immer unverholener nationalistische und neoliberale Interessen vertreten, aber dabei aufgehübscht und von den Medien mit Nichtigkeiten interessant gemacht, daherkommen. Besser wäre es über die neuen Volksbewegungen zu berichten. Man könnte etwas lernen, neue Perspektiven diskutieren. Warum nicht Jung und Alt gemeinsam?

Jeder kann sich irren, es ist auch legitim, sich im Überschwang der Gefühle mal hinreißen zu lassen. Aber sentimental von einer Weltmacht Europa und der Verteidigung der Außengrenzen durch Aufrüstung zu faseln, ist einfach brandgefährlich. Die Welt hat allemal genug von größenwahnsinnigen Weltenlenkern und Heilsbringern, völlig egal aus welcher Himmelsrichtung sie kommen oder welches ihre selig machenden Versprechen sein mögen. Es gibt sie einfach nicht, die Beispiele, wie mit Waffengewalt Frieden und Freiheit in die Welt getragen wurden. Hören wir doch endlich auf, dass Geld für Rüstung zum Fenster rauszuschmeißen, mit immer neuen Toten größeren Hass zu erzeugen. Verabschieden wir uns von dem Irrglauben, nur die Deutschen oder auch nur der Westen allein hätte auf diesem Planeten eine gute Zukunft und der Rest könnte uns egal sein oder hätte sich - noch schlimmer - nach unseren Vorstellungen, Wünschen und Bedürfnissen zu richten. Welchen Mangel an Empathie wollen/können wir uns eigentlich noch leisten?

Dr. Knapp weiß, dass er für eine alte und überlebte Zeit steht. Vor lauter Rechthaben hat er versäumt, Vielfalt, Andersartigkeit als Chance zu sehen. Wir sollten alle aufpassen, dass es uns besser ergeht. Lernen und praktizieren wir (wieder) das Sehen, das eigene Denken, die achtungsvolle Diskussion miteinander. Schließlich geht es um nichts weniger als unsere gemeinsame Zukunft.“


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